Chronik

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50 Jahre MVO: Geschichte und Geschichten

Prolog

Die Musik, als magisches Band zwischen den Menschen, wurde hier im Kraichgau schon zu allen Zeiten gepflegt. Seit Menschen Gedenken verbreiten der Tanz und die dazugemachten Melodien Freude und Harmonie. Das Erfinden von Instrumenten zum Erzeugen von Klängen und Tönen war und ist ein Teil unseres Menschseins. Fundstücke von Flöten aus Hölzern oder Auerochsenhörnern bis zu bespannten Felltrommeln können in den umliegenden Heimatmuseen bestaunt werden. Nicht anders mag es auf der Gemarkung von Oberderdingen gewesen sein.

Die Informationen über neuzeitliche Formen der Blasmusik sind spärlich und beginnen in unserem landwirtschaftlich geprägten Weinbau- und Steinhauerdorf damit, dass um die Jahrhundertwende sogar zwei Blaskapellen existiert haben sollen. Die Mitglieder, über die keine genauen Angaben vorliegen und bestimmt auch nicht alle aus Oberderdingen stammten, hatten wohl ihre Instrumente und die musikalischen Fertigkeiten als Erbe ihrer Militärzeit mit hierher gebracht. Nach dem ersten Weltkrieg formierte sich eine Feuerwehrkapelle, die mangels Geld und guten Instrumenten von den Mitgliedern viel Enthusiasmus verlangte. Jakob Häfner und der legendäre Karl Treffinger, genannt „Baß-Karle“ seien stellvertretend genannt. Dieses finanzielle Problem löste 1933 der damalige Bürgermeister Paul Burger, indem er den Fabrikanten Heinrich Blanc dazu bewegte, Neuanschaffungen sowie Reparaturen zu finanzieren. Die am 01.01.1934 gegründete Betriebs- und Feuerwehrkapelle nannte sich „Musikkapelle Blanco -EGO“ und bestand laut Aufnahmeantrag zum Reichsverband für Volksmusik aus 32 aktiven Mitgliedern. Dirigent und Ausbilder war der Friseur Wilhelm Zeile. Als Ergänzung gilt zu erwähnen, dass die neugegründete Kapelle weiterhin als „besonderer Zug“ der Feuerwehr fungierte und dieses Erbe auch auf den später gegründeten Musikverein (MVO) übertragen wurde. Als Bonbon wurde den aktiven Musikern auf Antrag die Feuerwehrabgabe erlassen.

Der 2. Weltkrieg und seine Folgen beendete diese Kapelle und so manches Musikerleben. Doch die Liebe zur Musik überlebt die dunkelsten Stunden und so trafen sich ab 1946 Kriegsheimkehrer und Neubürger unserer Gemeinde um gemeinsam zu musizieren. Um das desolate musikalische Niveau zu heben, wurden keine Mühen und Kosten gescheut und der Theatermusiker Friedel aus Karlsruhe kurzzeitig als Dirigent engagiert. Mit der Hoffnung und wiederkehrender Lebensfreude im Nachkriegsdeutschland wurde der Wunsch nach Musik und Tanz immer stärker. So kam es in Oberderdingen 1948 zur Gründung der Tanzkapelle „Violetta“ unter der Leitung von Eduard Tomschitschek. Diese Gruppe, die mit Streichinstrumenten, Klavier, Akkordeon und Schlagzeug monatlich in der Schulturnhalle zum Tanz aufspielte, war sehr beliebt und weit über die Oberderdinger Grenzen bekannt. Logischerweise kam es daher mit der alteingesessenen Blaskapelle zu Interessenskonflikten, sogar die Forderung zur Auflösung der „Violetta“ wurde laut.

Die Gründung des Musikvereins Oberderdingen

Um eine gütliche Einigung herbeizuführen, trafen sich am 21. Januar 1950 Vertreter beider Kapellen im Gasthaus „Lamm“ in Unterderdingen, um die Termine für die Tanzveranstaltungen des Jahres 1950 festzulegen. Bei dieser Zusammenkunft wurde übereinstimmend der Wunsch geäußert, einen Musikverein mit Satzung und Eintragung zu gründen.

Am 31.Januar 1950 war es nun soweit. Die Mitglieder der Blaskapelle und der „Violetta“ fanden sich zur Gründungsversammlung im Gasthaus „Sonne“ ein. Die bereits ausgearbeitete Satzung und der Name „Musikverein 1950 Derdingen“ wurde einstimmig zum Gründungstag 01. Februar 1950 beschlossen. Der Verein bestand somit aus einer Blasabteilung und einer Streichergruppe (Violetta), die besonders bei Jahreskonzerten in unserer Gegend eine einmalige Symbiose bildeten und Volksmusik mit gehobener klassischer Streicherlektüre verknüpften.

Die konstituierende Mitgliederversammlung wählte damals folgenden Vereinsausschuß:

Vorstand: Ernst Treffinger
Stellvertretender Vorstand: Otto Bühler
Schriftführer: Willy Steinmetz
Kassierer: Robert Weisert
Noten- und Instrumentenverwalter: Karl Keller
Beisitzer: Karl Diemer, Ernst Losch, Albert Meerwarth

Als musikalische Leiter waren verantwortlich:

Dirigent der Blasabteilung: Albert Christely
Dirigent der Streicherabteilung: Eduard Tomschitschek

Neben der Eintragung ins Vereinsregister in Maulbronn trat der MVO dem Bund Süddeutscher Volksmusiker Lauffen a.N.-Bezirk Pforzheim-Mühlacker bei. Bedingt durch die Kreisreform wechselte unser Verein 1973 zum Bezirk Karlsruhe- Bruchsal.

Im Jahre 1950 konnten dann die 25 aktiven Musiker der Blaskapelle sowie die 7 Streicher und Pianisten ihr Gründungsfest am 7./8. Oktober mit einem Festzug vom Rathaus bis zum Festplatz an der Linde gestalten. Ein Originalprogramm zeigt das hohe Organisationsniveau des jungen Vereins auf. Vom samstäglichen Festbankett über einen Festzug und Massenchor am Sonntag war alles bestens geplant,- für die Initiatoren bestimmt keine leichte Aufgabe. Der Eintritt betrug übrigens 0,50 DM.

Neben Tanzveranstaltungen engagierte sich die Bläserabteilung des MVO auch sonst im öffentlichen Gemeindeleben, wie z.B. 1. Mai, Kirchweih oder den Anfängen des heutigen Oberderdinger Nationalfeiertages, dem Lichtmeßtag. Leider trat 1953 die Streicherabteilung aus, so dass der Musikverein Derdingen wieder ein „ganz normaler“ Blasmusikverein war. Als Überbleibsel dieser mißglückten Ehe erinnert heute noch das Amt des Abteilungsleiters Blasmusik.

Die erste Jugendkapelle

Im Jahre 1953 spielte der Musikverein bei einem Fest des Musikvereins Höfen. Dort trat unter anderem auch die erste Jugendkapelle unseres damaligen Bezirks auf. Diese Jugendlichen des Musikvereins Höfen begeisterten unsere Aktiven so sehr, dass spontan beschlossen wurde, ebenfalls eine Jugendkapelle auf die Beine zu stellen. Damit die Werbetrommel im heimatlichen Oberderdingen auch richtig gerührt werden konnte, lud man diese Höfener Jugendkapelle zu einem „Werbekonzert“ nach Oberderdingen ein. Dieser Auftritt am 10.10.1953 brachte einen riesigen Wirbel ins Dorf und führte zu einem grandiosen Ergebnis. 46 Jugendliche durften bei der Gründungsversammlung der ersten Jugendkapelle des MVO am 14.10.1953 begrüßt werden. Mit Eduard Tomschitschek konnte ein fähiger Dirigent und Ausbilder gewonnen werden. Und wieder spielte das fehlende Geld eine gewichtige Rolle, es mussten ja auch die entsprechenden Instrumente beschafft werden. Neben Spenden aus der Bevölkerung, besonders von Fabrikant H. Blanc, halfen auch die „alten Musiker“-für die Seniorenkapelle war gerade die Anschaffung der ersten Uniformen geplant-, weitblickenderweise wurden diese Gelder nun für die Ausstattung der Jugendkapelle verwendet. Am 01.Mai 1954 war es dann soweit, die Jugendkapelle des Musikvereins Derdingen gab auf dem Brettener Marktplatz ihr erstes Konzert.

Von jetzt an wurde diese junge Kapelle sogar zum Vorzeigeobjekt und bekam Einladungen nach Vaihingen, Großsachsenheim, Horrheim usw. zu Werbekonzerten. Oberderdinger Blasmusik avancierte so im „Schwäbischen“ zu einem „Markenbegriff“! Bereits 1958 konnten 8 Jungmusiker mit einer fundierten Ausbildung zur Seniorenkapelle wechseln. Die Tradition der guten Jugendkapellen setzte sich mit folgenden Gründungsjahrgängen positiv fort.

1960: 28 Jungen und Mädchen
1963: 30 Jungen und Mädchen
1968: 46 Jungen und Mädchen

Ab 1970 wurden im zweijährig fließenden Rhythmus die Abgänger aus der vereinsinternen Melodika- bzw. Blockflötengruppe übernommen.

Herausragende musikalische Leistungen wurden bei folgenden Wertungsspielen erzielt:

1957 in Niefern mit „Jagdschloß Waldenbuch“; 1. Rang , Dirigent: E. Tomschitschek
1972 in Königsbach mit „Volksfest-Ouvertüre“; 1. Rang, Dirigent: R.Grimm
1996 in Malsch mit „La Storia“, sehr guter Erfolg, Dirigent: E. Will

Die heutige Musikerjugend wurde 1997 gegründet. Das breite Freizeit- und Vereinsangebot in Oberderdingen hielt zuerst viele Jugendliche davon ab, den beschwerlichen Weg der instrumentalen Ausbildung an einem Blasinstrument zu wählen.

Der Beharrlichkeit und dem Einfaltsreichtum (Info-Tag an den Oberderdinger Schulen, Pressemitteilungen, Schnupperabende u.v.m.) der Jugendleiterin Iris Krimmel war es letztendlich zu verdanken, dass sich zum Gründungstag 10 Jugendliche im Probelokal (DRK- Heim) einfanden.
Zur Heranführung des Bläsernachwuchses gibt es seit den 70er Jahren für die „Bambinis“ im MVO, Melodica-bzw. Blockflötengruppen. Für diese Form der Ausbildung ist neben dem einfühlsamen Umgang mit den Kindern ein starkes Nervenkostüm der Ausbilderinnen erforderlich.

Die weitere Entwicklung der Seniorenkapelle

Die musikalische Entwicklung der Kapelle kann an einer Auswahl von besonderen Veranstaltungen nachvollzogen werden.

14.05. 1951 Erstes Konzert des MVO unter Mitwirkung des Musikvereins Maulbronn
15.07. 1951 Wertungsspielteilnahme in Stein mit Ouvertüre „Festklänge“, Note: sehr gut, Dirigent: A. Christely
10.06. 1961 Wertungsspielteilnahme in Pforzheim-Dillweisenstein mit Ouvertüre „Morgenritt“, 1. Rang, Dirigent: E. Tomschitschek
02.07. 1966 Auftritt im Rundfunk in der Sendung „Mit Volksmusik ins Land hinaus“ anläßlich der 1200 Jahr-Feier der Gemeinde Oberderdingen
04.06. 1967 Wertungsspielteilnahme in Enzweihingen mit Ouvertüre „Bonne Fortune“, 1. Rang, Dirigent: H. Martini
07.04. 1970 Sommernachtsfest „Unter der Linde“
13.07. 1975 25-jähriges Vereinsjubiläum im Amthof
Seit 1983 jährliches Frühjahrskonzert des MVO mit wechselnden Gastkapellen
10.07. 1985 Wertungsspielteilnahme in Kronau mit „Air-Sinfonietta“ 1.Rang mit Belobigung, Dirigent: W. Wittke
Nov. 1984 Besuch des Bundesligaspiels VfB Stuttgart gegen Hamburger SV mit Pausenunterhaltung vor 25 000 Zuschauern
Mai 1988 Wertungsspielteilnahme in Forst mit sehr gutem Erfolg, Dirigent: W. Wittke
19.04. 1991 Auftritt beim Jagdkonzert im Mühlehof, Mühlacker
März 1993 Rundfunkaufnahmen für die Sendung “ Mit Sang und Klang“ in der neuen Oberderdinger Aschingerhalle
03.10. 1996 1. Kirchenkonzert in der Laurentiuskirche Oberderdingen

Weitere musikalische „Highlights“ waren die gemeinsamen Konzerte mit unseren Partnerkapellen aus Sipbachzell und Brachthausen.

Ein aktueller Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit ist die Bedeutung der Blasmusikkultur in unserer Gemeinde zu fördern. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, proben 40 bis 50 aktive Musiker montags von 20 bis 22 Uhr im Vereinsheim des DRK, welches uns dankenswerterweise vom Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes als Probenlokal zur Verfügung gestellt wird.

In unserer Gemeinde tritt der MVO bei folgenden öffentlichen Veranstaltungen auf:
Lichtmeß, Auferstehungsfeier, Kirchweih, Totensonntag sowie Silvestergottesdienst. Natürlich haben wir auch viele Auftritte bei Gastkapellen und Geburtstagsständchen, so dass 20 bis 25 Auftritte im Jahr keine Seltenheit sind.

Unsere eigenen Veranstaltungen bestehen aus dem Faschingsball in der Kleintierzüchterhalle, dem Frühjahrskonzert als musikalischer Jahreshöhepunkt, die Hornfeste am 1.Mai und Himmelfahrt, sowie ein Kirchenkonzert und eine Weihnachtsfeier, bei der unsere Jugend im Mittelpunkt steht.

Dirigenten der Seniorenkapelle:

Albert Christely 01.02. 1950 bis 01.11.1956
Eduard Tomschitschek 01.11. 1956 bis 01.11.1964
Hans Martini 28.11. 1964 bis 30.09.1969
Horst Meissner 30.09. 1969 bis 23.09.1970
Rudi Grimm 30.09. 1970 bis 31.03.1973
Roy Hendric 01.04. 1973 bis 21.03. 1982
Wolfgang Wittke 01.09. 1982 bis 30.04. 1989
Ernst Will 01.05. 1989 bis 22.12. 1996
Hans Mayer 17.02. 1997 bis 15.05. 1997
Rudi Jock 04.08. 1997 bis 09.04. 2005
Dr. Manfred Heidler 01.09.2005 bis 05.05.2007
Rainer Falk 01.09.2007 bis 01.09.2011
Phillip Zink seit 01.09.2011

 

Partnerschaft mit Sipbachzell

Alles fing damit an, dass 1939 drei Landser vor dem Frankreichfeldzug in Oberderdingen im Gasthaus „zur Rose“ einquartiert waren. Einer von ihnen, der Österreicher Georg Doppelmair, erinnerte sich 20 Jahre später an die Gastfreundschaft der Wirtsleute und an die nette Kraichgaugemeinde Oberderdingen. So drückte er 1959 aus Ermangelung an Namen in einem Brief an „die Wirtsleute der Rose“ seine Dankbarkeit aus, mit der Bitte, dass er als Musiker gerne mit seiner „Heimatdorfkapelle“ unsere Gemeinde besuchen möchte. Dieses Schreiben wurde von Frau Büchle an den damaligen Vorstand des MVO, Franz Krüttner, weitergegeben und der Anfang einer langen und intensiven Vereinsfreundschaft begann. Ein ausführlicher Briefwechsel folgte, bis die Sipbachzeller Musiker aus Österreich am 27.06. 1959 einen Besuch in Oberderdingen abstatteten. Da Oberderdingen damals noch nicht „international“ bekannt war, nahm eine Abordnung des MVO den Gästebus bereits an der Autobahnausfahrt Pforzheim in Empfang und führte diesen im Konvoi nach Oberderdingen. Gastfreundlich wurden gleich die Gäste bei Musikern und anderen Privatleuten untergebracht, anschließend fand ein bunter Abend in der Turnhalle statt. Bei Oberderdinger Wein und zünftiger Blasmusik wurden viele Freundschaften geknüpft, die bis in die heutige Zeit reichen. Nach zwei schönen Tagen folgte der Abschied mit dem Versprechen, dass die Oberderdinger einen Gegenbesuch abstatten, und wenn sich zwei verstehen, besucht man sich halt öfter, und öfter …

Besuche in Oberderdingen Besuche in Sipbachzell
27.- 29. Juni 1959 16.- 18. Juni 1960
April 1968 Mai 1972
11.- 12. Sept. 1976 25.- 27. Aug 1978
27.- 29. Mai 1983 21.- 23. Juni 1985
21.- 23. April 1989 29.- 31. Mai 1992
12.- 14. April 1996 16.- 18. April 1999
12.- 14. April 2002 20.-22. April 2007
17. – 19. April 2009 09.-11. April 2010

„Kameraden, die Sipbachzeller haben uns eingeladen!!“ Mit dieser Bekanntgabe des Musikervorstandes beginnt dann meist ein recht hektisches Treiben in unserem Verein.

Abstimmung des Termins, Einstudieren neuer Musikliteratur, Schreiben von Urlaubsscheinen und Schulentschuldigungen, Besorgung von Gastgeschenken, Verträge mit Busunternehmungen, Teilnehmerlisten usw. Diese Hochspannung legt sich erst am Abfahrtstag, wenn alle erwartungsfroh im Bus sitzen und überlegen, ob nicht irgendetwas wichtiges z.B Noten, Mundstücke oder Reiseproviant zuhause vergessen wurde. Allein die Fahrt ist schon ein Erlebnis, wobei weniger die vorbeifliegende Landschaft als die prächtige Stimmung mit Musik und Gesang der Teilnehmer gemeint ist. Bei der Begrüßung in Sipbachzell ist der halbe Ort auf den Beinen, Marschmusik und Begrüßungsreden sowie die Quartierverteilung folgen. Für die „alten Hasen“ ist das kein Problem, man kennt seine langjährigen Quartierfreunde und freut sich auf sie. Doch für die Jugendlichen, die zum ersten mal dabei sind, stellen sich die Fragen: „Wo bin ich untergebracht, sind es nette Leute, aber vor allem, haben sie eine hübsche Tochter bzw. Sohn?“ Der erste Abend (oder besser gesagt die ganze Nacht) wird oft im Kreise der Quartierleute oder je nach Geschmack und Alter in Diskos oder Kneipen verbracht, viele behaupten, es wäre der anstrengenste Teil der ganzen Reise. Der nächste Tag wird meist bis zum Abend von den lieben Quartierleuten gestaltet, man wird bis zum Platzen mit österreichischen Köstlichkeiten gefüttert und bekommt in einem Schnellkurs in Sachen Landeskunde die umliegenden Sehenswürdigkeiten gezeigt. Am Abend folgt ein gemeinsames Konzert, welches von beiden Seiten ehrgeizig gestaltet wird, Dankesreden und Übergabe der Gastgeschenke seitens beider Vorstände beschließen den offiziellen Teil. Anschließend wird das Tanzbein geschwungen und alte Freundschaften vertieft bzw. neue Beziehungen gegründet. Dass dies nicht nur oberflächlicher Natur entspricht, sieht man an den beiden Ehen, die aus solchen Musikertreffen entstanden sind. Nach einem Frühschoppen und dem Mittagessen folgt der Abschied, dessen Wehmut nur deshalb zu ertragen ist, weil der Gegenbesuch bereits fest versprochen wurde.
Bis bald!!!!

Partnerschaft mit Brachthausen

Die jüngere, aber nicht weniger intensive Musikerpartnerschaft mit der Blaskapelle des idylischen Dörfchens Brachthausen im Sauerland, kam 1968 zustande. Im sauerländischen Ort Silberg, 3 km von Brachthausen entfernt, unterhielt die Firma EGO eine Zweigstelle, die aufgrund der Politik der Besatzungsmächte in den 50er Jahren eingerichtet wurde. Ein LKW Fahrer der EGO – Silberg namens Domes diskutierte auf seinen langen Fahrten mit Oberderdinger Fahrern, man könnte doch „irgendwie“ musikalischen Kontakt aufnehmen. Wie es oft mit solchen Ideen geschieht, irgendwann nimmt es einer „richtig“ in die Hand. Die Vorstandschaft des MVO unter Christian Kolb streckte ihre Fühler aus und fanden in Karl Schäffelt aus Oberderdingen, dem damaligen Technischen Leiter der EGO-Silberg, und den beiden Brachhausener Herren Kauffmann und König (Dirigent des Musikvereins Brachthausen), die rechten Vermittler.

Am 21.09.1968 war es dann soweit, ein Reisebus der Firma Wöhrle brachte die Musikkapelle Oberderdingen nebst treuem Anhang ins gastfreundliche Sauerland.
Eine lange Musikantenfreundschaft entstand.

Besuche in Brachthausen Besuche in Oberderdingen
21.-22. Sept. 1968 07. September 1969
11.-12. Sept. 1971 29.-30. September 1973
02.-04. Mai 1975 16.-18. September 1977
02.-04. Mai 1980 11.-13. Mai 1984
06.-08. Juni 1986 22.-24. April 1988
03.-05. Mai 1991 28.-30. Oktober 1994
08.-10. Mai 1998 28.-30. September 2001
16.-18. Mai 2003 08.-10. April 2005
28.-30. September 2007  01.-03. April 2011

„Die Brachthausener kommen!!!!!!!“ Dieser Schlachtruf wirkt bei uns Musikern nicht wie damals in Rom „Hannibal ante portas“. Langaufgestaute Vorfreude bricht in einen Höllenlärm aus, wenn der Reisebus mit den Sauerländer Gästen in unserer Ortsmitte eintrifft. Schon während des Begrüßungsmarsches (meist der „Schwabengruß“) wird über den Notenrand geschielt, um „seinen“ Quartiergast zu entdecken. Langjährige Freundschaften haben sich bereits gebildet, aber auch neue Jungmusiker aus Brachthausen finden schnell Anschluß. Nach Begrüßung und Quartierverteilung geht’s dann los zu den Wirtschaften Kern, Lutz oder Max. Es wird viel erzählt und gelacht. Der krönende Abschluß des ersten Abends findet dann oft in der Küche eines Musikers beim „Eierbacken“ statt.

Am nächsten Tag werden die Köstlichkeiten der schwäbischen Küche serviert und die Sehenswürdigkeiten unserer näheren Heimat gezeigt oder ganz gemütlich je nach Wetter im Garten ein Viertele geschlotzt. Der gemeinsame Konzertabend findet in der Aschingerhalle statt, welche durch fleißige Hände hübsch dekoriert wurde. Wenn dann am Abend unser 1. Vorstand die anwesende Bevölkerung und die Gemeindeleitung begrüßt, sind all die Mühen, die zum Gelingen dieses Festes notwendig waren, vergessen. Nach beidseitig konzertanten Höhepunkten wird die Nacht zum Tage gemacht, so dass der Frühschoppen am nächsten Morgen nicht von allen besucht werden kann. Der Abschied am Nachmittag wird durch musikalische Ständchen, Umarmungen, Händeschütteln und bei jungen Musikern auch mit einem „Herz-Schmerz-Tränchen“ begleitet. Gute Wünsche und Versprechungen des Gegenbesuchs werden ausgetauscht, bei einem Pärchen war es der Anfang eines gemeinsamen Lebens.

Der MVO ist dankbar und glücklich, so nette und intensive Freundschaften mit Brachthausen und Sipbachzell pflegen zu dürfen!

Die Hornfeste des Musikvereins

Einer der markantesten und schönsten Plätze auf unserer Markung ist das Oberderdinger Horn. Umrahmt von wunderschönen Weinbergen mit einer Sicht über die Ortschaft bis weit in den Kraichgau hinein, ist dieser Aussichtspunkt weithin bekannt. Was liegt näher als hier bei gemütlichem Zusammensein Blasmusik zu spielen und durch Verkauf von Oberderdinger Wein und heißen Würsten die Vereinskasse etwas zu füllen. So dachten sich die Vereinsverantwortlichen unter ihrem damaligen 1.Vorstand und Hobbywengerter, Christian Kolb, und gaben am 1.Mai 1966 das erste Platzkonzert mit einigen Biertischgarnituren und „kleiner“ Bewirtung. Es war so erfolgreich, dass am jeweiligen Maifeiertag der folgenden Jahre eine Wiederholung folgte, leider oft durch Regen oder Kälte getrübt. Edmund Daniel ging diesem Problem als zweiter Vorstand und „Mann der Tat“ mit all seinen technischen und handwerklichen Fähigkeiten auf den Grund und forcierte eine stabile Dauerlösung. Man beschloß daher, zusammen mit dem Gesangverein, ein festes Zelt anzuschaffen. Das Metallgerüst der Firma Layher und die Planen der Firma Dieffenbacher wurden im April 1972 oberhalb des Hornplateaus am Waldrand montiert. Am 1.Mai 1972 wurde hier die Premiere gefeiert und die Oberderdinger Bevölkerung hatte nun für die Maiwanderung ein passendes Ziel um bei Blasmusik, kühlem Bier und heißer Wurst den Frühling zu begrüssen.

Nach anfänglichen Problemen mit der Baugenehmigung und der Auflösung der Zeltgemeinschaft mit dem Gesangverein 1978, fand drei Jahre später eine Zeltvergrößerung statt.

Heute sind unsere beiden Hornfeste am 1.Mai und am Himmelfahrtstag eine feste Größe bei vielen Wanderern von Nah und Fern. Mit steigenden Ansprüchen bei der Bewirtung wurde auch der Arbeitsaufwand immer größer, sodass befreundete Blasmusikkapellen uns musikalisch unterstützen müssen, damit unsere Musiker zusammen mit vielen fleißigen „passiven“ Mitgliedern das Fest hinter den Theken am Laufen halten können. Logischerweise steht dann auch ein Gegenbesuch bei den Kapellen des MV Flehingen, MV Rohrbach, MV Mühlbach, MV Zaisenhausen, MV Sulzfeld, MV Menzingen, MV Unteröwisheim, MV Neuthard, MV Zaberfeld, MV Güglingen u. a. an.

Anekdoten zum Schmunzeln

Wie in jedem Verein wird die Kameradschaft auch im MVO gepflegt, d.h. nach den einzelnen Proben oder Auftritten setzt man sich noch gemütlich in ein Gasthaus und diskutiert über „Gott und die Welt“. Bei diesen „Gelegenheiten“ kam es häufig zu heiteren Urständen, von denen hier eine Auswahl zum Besten gegeben werden soll.

Wer kennt es nicht, – das Transportproblem bei Auftritten oder nach den Proben! Wer fährt mit wem hin oder zurück? Heutzutage geht es weniger um die Transportkapazität als um die Promillegrenze beim Nachhauseweg. — In den fünfziger Jahren waren die aktiven Musiker oft auf ein (1) Auto angewiesen, und dies war das Goggomobil von Kurt Bonzheim. So wurden einmal alle Musiker rekordverdächtig zu 6 bis 8 Personen im Pendelverkehr zur Besenwirtschaft Manuß nach Sternenfels gefahren. Die sperrigen Instrumente z.B. die Posaune vom Postweisert mussten dabei außen am Fahrzeug transportiert werden, – die heutigen Verkehrspolizisten würden Alpträume bekommen. Als dann noch zu später Nacht bei der 3. oder 4. Nachhausefahrt das Benzin ausging, wurde es für die „Besatzung“ noch ungemütlicher, denn sie mußten den Kurt und sein Goggo von der Sternenfelserstraße bis zur Tankstelle Fischer in die „Wette“ schieben. Frisch aufgetankt konnte der Rest der Truppe abgeholt werden, doch leider hatten diese Zecher mit ihren Musikinstrumenten dort einen solchen „Spektakel“ aufgeführt, dass sich die Nachbarn der Besenwirtschaft beschwerten und so der Musikverein vom Wirt ein „Blasverbot“ erhielt. Beim nächsten Besuch hielt man sich logischerweise nicht an diese Regel (Ehrensache) und schmuggelte die Instrumente über ein Seitenfenster in den Gastraum. Beim darauffolgenden“Furioso Finale“ fiel nicht nur der Verputz von der Decke, sondern auch noch die Vorhangschienen. Nach dieser Eskapade konnte sich der MVO in Sternenfels eine Weile nicht mehr blicken lassen.

Nach einer der folgenden Proben im Gasthaus „Waldhorn“ wollte man zum „Besen“ nach Hohenklingen. Da diesmal kein Auto zur Verfügung stand, „borgte“ man sich kurzerhand Herbert Glöcklers Bulldog mit Anhänger, der mit einem gefüllten Mistlachentank beladen war. Bis zur Steigung hinter dem Bernhardsweiher ging alles gut, doch dann zog der Traktor die Last der aufsitzenden Musiker nebst dem gefüllten Faß nicht mehr. Kurzerhand wurde das Ventil geöffnet und die stinkende Brühe ergoß sich über die Ladefläche auf den Waldweg. Auf dem Nachhauseweg soll es einigen Passagieren recht schlecht geworden sein,– glaubhafte Zeugen erklärten später, dass diesmal wirklich nicht der zuvielgenossene Wein schuld gewesen sei.

Unzählige Erlebnisse in den Oberderdinger Gasthäusern Waldhorn, Sonne, Adler, Rose oder Germania seien hier mit dieser Anekdote beleuchtet. –Nach dem Überschreiten der Sperrstunde im Gasthaus Rose wurde eine Polizeikontrolle durchgeführt. Kurzfristig gewarnt, flüchteten die Musiker bis auf den Speicher. Doch es nutzte nichts, alle wurden erwischt und kamen voll Spinnweben und Staub die Treppen runter, dass dabei noch ein voller Eimer mit flüssigem Bohnerwachs umfiel, machte die „Sauerei“ noch perfekter. Zum Glück bezahlte der anwesende Geschäftsmann Richard Fischer sen. die Strafe von 3,–DM pro Person.

In den sechziger Jahren spielte der Musikverein bei dem neueingeführten Zaberfelder Seefest. Unvergessliche musikalische Erfolge wurden hier in dem riesigen, vollbesetzen Festzelt erzielt. Die Sommerhitze bis spät in die Nacht hielt die Gäste, aber auch die Musiker bei bester Stimmung. So kam es, dass die 3 Jungburschen Gert, Eddi und Willi sich zusammen mit anderen um Mitternacht im See erfrischten. Da keiner ( keine?) seine Badesachen dabei hatte, wurde halt nackt gebadet. Bedauerlicherweise verlor das Trio den Anschluß an den Nachhausebus und einen Teil ihrer Kleider. Sie liefen erbärmlich frierend und nur notdürftig bekleidet nach Zaberfeld und klingelten an der Haustür von Erwin Michel, einem Fan des MVO. Als dieser den jämmerlichen Zustand der jungen Burschen erkannte, räumte er sofort mit seiner Frau das Schlafzimmer und ließ die drei ins angewärmte Ehebett.!!!

Dass die Blasmusik auch recht praktische Vorteile brachte, zeigte sich als man einmal aus „Spaß an der Freud“ nach der Musikprobe zur Fernfahrerkneipe „Herzl“ fuhr. Doch leider gab es für die unangekündigten Gäste keinen Platz mehr. Kurzentschlossen improvisierte man auf dem Fernfahrerparkplatz ein „Nachtkonzert“ . Mit La paloma blanca, Fuchsgrabenpolka, Blaue Nacht am Hafen und den Capri Fischern lockte man die Gäste in Scharen aus der Wirtschaft ins Freie. Anschließend gab es für die Musiker genügend Sitzplätze und Freibier.

Die nachfolgende Anekdote zeigt die Anpassungsfähigkeit der Musiker des MVO in ihrer ganzen Bandbreite. – Im Anschluß an ein Geburtstagsständchen bei Karl Keller überfiel einen Teil der Kapelle ein gewaltiger Hunger und so wurde ein spontanes „Nachfest“ bei Dieter Weisert beschlossen. Als dann die Karawane beim „Fit“ ankam, bemerkte man, dass außer Bismarkheringen nichts Essbares im Haus aufzutreiben war. Aber nur Hering ohne Zwiebeln, das war selbst für hartgesottene Gaumen zu viel. Nach langem Suchen fand endlich einer in einer farbigen Plastiktüte das passende Gemüse, schälte und schnitt es in Ringe. Alle waren zufrieden und zum Schluß wurden sogar noch die Heringsschwänze an die Decke genagelt. -Als am nächsten Tag Frau Weisert ihre gekauften Tulpen- und Narzissenzwiebeln stecken wollte, fand Sie nur noch die leere Verpackung- wohl bekomm´s!!!

Viele lustige Geschichten ranken sich um den Oberderdinger Nationalfeiertag, dem Maria-Lichtmess-Tag,. Hier sei nochmals für „unhiesige“ Mitbürger erwähnt, dass er immer dann auf einen Dienstag verlegt wird, wenn der 02. Februar auf einen Samstag oder Sonntag fällt.

Naturgemäß spielt hier oft auch der Alkohol eine Rolle, wenn auch sonst, wie in den vorangegangen Episoden deutlich wurde, Musiker auch ohne „Brand“ ein recht lustiges Häuflein sind.—An dem meist klirrendkalten Lichtmesstag gehört es zum Brauch vieler Oberderdinger Bürger für die innere Wärme der Musikanten zu sorgen, indem reichlich Liköre, Schnäpse oder andere hochprozentige „Ware“ nach einem Ständchen spendiert werden. Stellvertretend für alle anderen sei hier die Familie Kroh genannt, die den „wärmenden“ Reigen auf dem Lindenplatz eröffnet.-In besonders kalten Wintern wurde der „Selbstgebrannte“ besonders bei den Posaunen, aber auch bei den Trompetenventilen als probates Frostschutzmittel eingesetzt. Als früher noch vor fast jedem Haus musiziert wurde, war es logischerweise unmöglich alle Getränke sofort zu trinken, deshalb zog man ein Leiterwägelchen, beladen mit einem Holzfass, mit. Dieses Sammelsurium von Most, Wein und Schnaps wurde dann abends beim Lichtmesstanz zusammen mit den Lichtmesslaiben der Reiter konsumiert. Viele ältere Musiker sehnen sich mit leuchtenden Augen einen solch gemütlichen Lichtmessabschluß wieder zurück.— An dieser Stelle sollen auch mal unsere Dirigenten erwähnt werden. Gerade diejenigen, die sonst immer seriös und tadellos den Taktstock schwingen, wurden oft ein Opfer der „speziellen“ Situation. So wollte einmal ein Dirigent am Abend eines besonders kalten und „feuchten“ Lichtmesstages auf einem warmen Misthaufen einschlafen, ein anderer brach sich gar beim finalen Taktschwung das Bein, weil er zwar fehlerfrei von einem Autodach herunterdirigierte, den Sprung auf den Boden der Wirklichkeit aber völlig verpatzte. -Lichtmess ist halt immer etwas besonderes!!!

Den meisten Lesern wird bei diesen Zeilen noch manch heitere Erinnerung einfallen. Die „jüngeren“ Geschichten, die sie vielleicht vermissen, sollen in einer Fortsetzung in ein paar Jahren folgen, denn mit den Anekdoten ist es wie mit dem Wein: „Je älter umso besser“!

MVO – Statistik

Die Vereinsvorstände

Name von bis
Treffinger Ernst 01.02.50 17.03.51
Metzger Ernst 17.03.51 30.09.52
Krüttner Franz 21.02.53 01.09.61
Kolb Christian 10.02.62 04.04.70
Daniel Edmund 04.04.70 12.10.77
Klein Hermann 24.02.78 21.03.86
Schneider Ewald 21.03.86 26.11.90
Freyburger Gerhard 23.03.91 09.03.01
Stoll Hardy 09.03.01 01.02.10
Renz Werner 01.02.10 20.01.12
Tina Federolf 20.01.12 09.04.14
Rolf Schneider 09.04.14

Die zweiten Vorsitzenden

Name von bis
Bühler Otto 01.02.50 17.03.51
Treffinger Ernst 17.03.51 01.03.58
Kolb Christian 01.03.58 10.02.62
Keller Karl 10.02.62 01.04.67
Daniel Edmund 01.04.67 04.04.70
Kroh Albert 04.04.70 27.03.81
Krimmel Willi 27.03.81 15.03.96
Krimmel Iris 15.03.96 29.02.08
Reiff Matthias 29.02.08 20.01.12
Hagmann Edith 20.01.12  xx.xx.15
Sascha Scheuer xx.xx.15

Die Dirigenten

Name von bis
Christely Albert 01.02.50 01.11.56
Tomschitschek Eduard 01.11.56 01.11.64
Martini Hans 28.11.64 Sep. 69
Meissner Horst Sep. 69 23.09.70
Grimm Rudi Sep. 70 März 73
Roy Hendric April 73 21.03.82
Wittke Wolfgang 01.09.82 30.04.89
Will Ernst 01.05.89 22.12.96
Mayer Hans 17.02.97 15.05.97
Jock Rudi 04.08.97 09.04.05
Dr. Heidler Manfred 01.09.05 05.05.07
Falk Rainer 01.09.07  01.09.11
Phillipp Zink 01.09.11

Die Vereinskassierer

Name von bis
Weisert Robert 01.02.50 21.02.53
Rössle Erwin 18.03.53 05.03.65
Schwarze Hans 18.03.66 29.03.85
Kessler Bernhard 29.03.85 07.03.97
Westphal Sabine 07.03.97 14.03.03
Siegrist Olaf 14.03.03

Die Schriftführer

Name von bis
Steinmetz Willy 01.02.50 18.03.66
Steinmetz Horst 18.03.66 06.04.68
Meissner Horst 06.04.68 04.04.70
Bühler Edmund 04.04.70 19.03.82
Knoop Wilfried 19.03.82 13.03.87
Kußmaul Rudi 13.03.87 27.03.92
Kroh Monika 27.03.92 15.03.96
Glöckler Marion 15.03.96 17.03.06
Diestl Jochen 17.03.06 20.01.11
Walter Svenja 20.01.11

Die Jugendleiter

Name von bis
Tomschitschek Eduard 13.02.54 03.07.54
Schwarzer Viktor 03.07.54 17.03.56
Schätzberger Josef 17.03.56 01.03.58
Ponelies Artur 01.03.58 10.02.62
Weisert Robert 10.02.62 06.04.68
Bäuerle Egon/Kolb Fritz 06.04.68 21.03.69
Groschke Rudi 21.03.69 24.03.73
Knoop Wilfried 24.03.73 02.04.77
Wohlsecker Siegfried 02.04.77 17.03.79
Stoll Hardy 17.03.79 18.03.83
Schneider Ewald 18.03.83 13.03.87
Brandauer John 13.03.87 17.03.89
Vincon Andre‘ 17.03.89 24.03.91
Siegrist Olaf 23.03.91 26.03.93
Krimmel Iris 26.03.93 01.02.10
Marwin Häfele 01.02.10 20.01.11
Mathias Reiff 20.01.11 20.01.12
Cordula Kögel 20.01.13

Die Musikervorstände

Name von bis
Treffinger Ernst 17.03.51 21.02.53
Klenk Ernst 21.02.53 17.03.56
Götz Helmut 17.03.56 01.03.58
Keller Karl 01.03.58 10.02.62
Hikl Dieter 10.02.62 01.04.67
Bühler Edmund 01.04.67 04.04.70
Steinmetz Gert 04.04.70 24.03.73
Bonzheim Hans 24.03.73 08.03.75
Weisert Dieter 08.03.75 02.04.77
Spehn Bernhard 02.04.77 24.02.78
Weisert Dieter 24.02.78 29.03.85
Kroh Thomas 29.03.85 21.03.86
Kögel Siegbert 21.03.86 27.03.92
Woll Alfred 27.03.92 06.03.98
Seebach Michael 06.03.98 28.01.00
Woll Alfred 28.01.00 19.11.01
Schuler Rene 19.11.01 19.05.03
Springer Armin 19.05.03 17.03.06
Klein Markus 17.03.06 29.02.08
Kosel Martin 29.02.08

Die Ehrenmitglieder

Name seit
Blanc Heinrich 1956
Fischer Karl 03.03.58
Kolb Christian, Ehrenvorstand 04.04.70
Henning Wilhelm 11.03.72
Vetter Adolf 24.02.78
Steinmetz Willy 22.12.78
Ponelies Artur 29.03.85
Schwarze Hans 29.03.85
Klein Hermann, Ehrenvorstand 21.03.86
Kolb Fritz 17.03.96
Kroh Albert 07.03.97
Ippich Friederich 07.03.97
Kessler Bernd 07.03.97
Krimmel Willi 07.03.97
Bonzheim Kurt 28.01.00
Freyburger Gerhard, Ehrenvorstand 09.03.01
Bühler Edmund 15.03.02
Bonnet Werner 14.03.03
Krimmel Iris 29.02.08

 

Der Napoleon (Musikverein-Hymne)

Napoleon, der hat´s in seinem Sinn,
zu fahren mit Zuaven nach Berlin,
doch Wilhelm Rex, der hat es ihm gezeigt,
anstatt zur Spree kam er nach Wilhelmshöh.

Bei Mars la tour, da hat er Streich gekriegt,
bei Gravelott, da schrie er fürchterlich,
bei Sedan fiel er wieder auf das Haupt,
Napoleon, jetzt ist die Sache aus.

In Frankfurt steht ein schönes Karussell,
darinnen sitzt ne´ schöne Mademoiselle,
und sieh: sie hat im Strumpf ein großes Loch,
aber reiten, aber reiten, aber reiten tut sie doch!

Napoleon reiß aus!!!!!!

Dieses Musik-Gesang-Stück, das am Ende eines Auftritts den unwiderruflichen Schluß markiert, stellt für uns MVO-Musiker ein Stück lebendig gebliebene Tradition dar. Das Schmählied auf den französischen Kaiser Napoleon III. (nicht zu verwechseln mit seinem berühmteren Onkel Napoleon Bonaparte), den die deutschen Truppen im Deutsch – Französischen -Krieg 1870/71 besiegten, soll keine Aversionen gegen unsere französischen Nachbarn wecken, sondern allgemein die spitzbübische Schadenfreude in Worte und Melodie verkleidet, ausdrücken.

Zur Verdeutlichung des Textes:
Wie bereits eingangs erwähnt, brachten die Heimkehrer aus dem 1870/71 Krieg ihre musikalische Spielkunst und die Instrumente als Erbe ihrer Militärzeit mit nach Oberderdingen.

Diese ehemaligen Soldaten, die sich dann als Steinhauer bzw. Landwirte ihr Brot verdienten, könnten wohl die „Erfinder“ dieser Spottverse sein. Andererseits wäre es interessant, ob am Ende des siegreichen Krieges dieses Lied vielleicht in breiten Soldatenkreisen bekannt war. Mit einigem Glück müssten in anderen Gegenden Deutschlands ähnliche Überlieferungen zu finden sein. (Der MVO versucht über das Internet solche Spuren zu verfolgen.) Da weder Originalnoten noch Texte vorhanden waren, mußte diese Persiflage auswendig gelernt, die vielen Vorgängerkapellen des heutigen Musikvereins überdauert haben. In den sechziger Jahren faßten dann die Dirigenten Hans Martini und später Roy Hendric dieses Traditionsstück in einen geschriebenen Text mit Noten.

Die inhaltliche Deutung dieses Liedes kann folgendermaßen ausgedrückt werden: (vergl. Liedtext)
Kaiser Napoleon III. erklärte Preußen den Krieg (19.07.1870) und zog mit seinem französischen Heer gegen Deutschland. In Begleitung seiner wildaussehenden afrikanischen Berbertruppen (Zuaven) wollte er den preußischen König Wilhelm (Wilhelm Rex) in Berlin (Spree) besiegen. Diese Zuaventruppen wurden übrigens erst 1963 bei der französischen Armee aufgelöst. Doch die verlorenen Schlachten bei Vion-ville-Mars-la-tour (16.08.1870), bei Gravelott-St.Privat (18.08.1870) sowie bei Sedan (01.09.1870) setzten seinen Plänen ein abruptes Ende.
Napoleon III. wurde gefangengenommen und auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel interniert.
Im Frühjahr 1871 proklamierte man im Spiegelsaal zu Versailles König Wilhelm von Preußen zum Deutschen Kaiser und am 10.05.1871 kam es zum Friedensvertrag in Frankfurt am Main.
Der letzte Spottvers könnte das Karussell (Reitschule) als drehendes Rad der Geschichte (Sieg der Deutschen) und die reitende Mademoiselle als die „französische Marianne“ (Symbolfigur) interpretieren. Das Loch in ihrem Strumpf (von Frankreich) weist nach Ansicht von Historikern eindeutig auf die im Friedensvertrag festgelegten Reparationszahlungen von 5 Mrd. Goldfranc und das abgetretenen Elsass-Lothringen hin.

Warum gerade dieses Musikstück in Oberderdingen so lange überdauerte und weshalb es so populär wurde (inoffizielle MVO-Hymne) wird wohl für immer im Dunkel der Geschichte bleiben. Uns Musikern ist dies allerdings egal. Wir freuen uns am Schluß jedes gelungenen Auftritts, zusammen mit dem textkundigen Publikum unseren „Napoleon“ zu singen.